"Geh aus mein Herz..."

„Geh aus mein Herz und suche Freud...“

Es ist Sommer! Wir genießen die langen Tage, die Sonne, die Farben des Sommers.

Das Lied von Paul Gerhardt ist eins der bekanntesten und beliebtesten Kirchenlieder – Bilder, die die Schönheit der Natur wiedergeben, ein Loblied auf die Schöpfung. Ich stehe oft staunend davor. Wie viele Schattierung von Grün gibt es? Und wie viele Farben hat der Himmel? Wie viele Stimmen hat der Gesang der Vögel?

Ich freue mich daran – jeden Tag aufs Neue. Aber ich weiß auch, wie verletzlich diese schöne Schöpfung ist. Und wie sehr wir Menschen sie durch unser Verhalten bedrohen. Dabei sind wir doch Teil dieser Schöpfung! Und wir können Leben nicht machen. Keinen Grashalm können wir wachsen lassen, keine Ameise produzieren. Dieser blaue Planet fordert unseren Respekt und unsere Achtsamkeit.

Die Natur hat aber auch eine andere Seite. Emotionslos geht es ums Überleben, um Fressen oder Gefressenwerden. Der Fuchs frisst die Maus, der Specht räubert im Nest der Singvögel, der Habicht holt sich Küken. Und sie denken sich nichts dabei. Das ist auch Natur. Ebenso wie Erdbeben und Sturmfluten, wie Tornados und  Dürre. Natur fühlt nicht mit.

Das können wir Menschen: Mitleiden, mitfühlen, uns kümmern, lieben. Und das Gegenteil können wir auch: kalt und herzlos sein, brutal und gewalttätig. Wir bedürfen der Gnade Gottes, die uns wieder auf den Weg des Lebens bringt:

„Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt,  / dass ich dir stetig blühe; / gib, dass der Sommer deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe, / viel Glaubensfrüchte ziehe.“

Einen gesegneten Sommer wünsche ich Ihnen!

Hilke Osterwald

 

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