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In
Arle läßt sich eine mehr als 900jährige Kirchengeschichte
nachweisen. Nach der Zeit der Wikinger setzte in Ostfriesland eine
erfolgreiche Missionierung ein. Um das Jahr 1070 gab es in den friesischen
Gauen, die zum Bistum Bremen gehörten bereits 50 Kirchen. Und
es kann davon ausgegangen werden, dass zu diesem Zeitpunkt auch in
Arle eine Kirche aus Holz gebaut wurde. Pfostenreste dieser Kirche
sind im Erdreich im Innenraum der Kirche nachgewiesen worden. In einer
Urkunde aus der Zeit zwischen 1106 und 1116, von der nur noch eine
Abschrift aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vorhanden ist,
wird die Arler Kirche erwähnt. Sie wurde damals von dem Domprobst
Werner dem Domkapitel zu Bremen zugeschrieben.
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Die
Holzkirche muss jedoch bald baufällig
geworden sein. Oder sie war für die damaligen Ansprüche zu
klein. Denn man entschied sich Anfang des 13. Jahrhunderts zum Bau einer
neuen, großen Kirche. Zu diesem Zweck wurde die Warf auf eine Höhe
von 8,50 Meter über NN erweitert und es wurde ein Fundament aus
Granitquadern angelegt, dessen Tiefe etwa 7,50 Meter beträgt.
Darauf wurden die Wände der Kirche aus Tuffstein errichtet, ein
Lavagestein vulkanischen Ursprungs aus den Steinbrüchen der Eifel
oder aus Schottland. Das Baumaterial wurde mit Schiffen über ein
weit in das Dorfgebiet hineinreichendes Tief, den Rendel, der damals
zur Entwässserung der Moorgebiete beitrug und sehr viel mehr Wasser
führte als heute, zum Bauplatz geschafft. Im Jahr 1229 konnte die
Bonifatius-Kirche eingeweiht werden. Die Seitenwände waren 45,30
m lang und 9,50 m hoch. Im oberen Bereich waren jeweils sechs kleine
Rundbogenfenster eingefügt. Außerdem befanden sich je zwei
Eingänge auf der Süd- und der Nordseite des 12,80 m breiten
Kirchenschiffes. An der Ostseite befand sich ein nur wenig eingezogener
halbrunder Altarraum mit drei Fenstern und einem Kuppelgewölbe,
versehen mit Gemälden, einer Darstellung der Mutter Gottes mit dem
Jesuskind und das Bild eines Märtyrers. Das Dach der Kirche wurde
mit Blei gedeckt.
Die
Kirche zu Arle bekam schon sehr früh eine überregionale
Bedeutung. Sie war eine Dekanats- und Sendkirche. Der Ortsgeistliche
hatte die Aufsicht über die Geistlichen der umliegenden Gemeinden.
Außerdem wurden bei der Bonifatiuskirche in Arle gerichtliche
Entscheidungen getroffen.
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In den
folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche jedoch baulich immer wieder
verändert. Um 1400 fügte man einen Bogendurchgang
ein, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennte. In den seitlichen Bögen
wurden Altäre errichtet. Bereits im 15. Jahrhundert wurden große
spätgotische Fenster in die Südwand der Kirche eingefügt,
um die Lichtverhältnisse in der Kirche zu verbessern. 1532 verlor
die Kirche ihr Bleidach. Es wurde von Soldaten des Herzogs von Geldern,
die in Esens lagerten trotz des heftigen Widerstandes der Dorfbewohner
geraubt. Im Jahre 1778 wurde das Kuppelgewölbe des Altarraumes abgebrochen
und durch eine Flachdecke ersetzt, um für die Aufstellung einer Orgel
auf dem Singboden über dem Bogendurchgang Platz zu schaffen. 1896 errichtete
man für die Orgel am Westgiebel der Kirche eine Empore. Der Bogendurchgang
zwischen Altarraum und Kirchenschiff wurde entfernt und die Seitenwände
des Altarraumes ausgebessert. Dadurch gingen auch die wertvollen Malereien
verloren. |
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Zum
Gotteshaus gehörte ursprünglich ein ebenfalls aus Tuffsteinen
erbauter Glockenturm. Er stand etwa 30 m südlich der Kirche am Rand
des Kirchhofes. Weil er bald baufällig wurde, wurde er schon früh
wieder abgebrochen. Sein Baumaterial soll beim Bau der Marien-Kirche
in Nesse verwendet worden sein.
Bald darauf
errichtete man am Westgiebel der Kirche einen neuen, stark befestigten
Turm aus gebrannten Ziegelsteinen, ein „firmissimum
et validissimum opus“, wie Ubbo Emmius in seinen Reisenberichten
schrieb, ein festes und sicheres Bauwerk, das den Dorfbewohnern als Zufluchtsstätte
Schutz bieten konnte. Die Wände waren auf mehr als 4 m dicken Fundamentmauern
errichtet.
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Im
Fundament dieses Turmes setzte man ein 12jähriges
Kind bei, weil man davon ausging, dass diese Maßnahme den Turm uneinnehmbar
und unzerstörbar machte. Im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen
zwischen fehdehungrigen Häuptlingen wurde dieser Turm bereits im September
1430 eingenommen und zerstört. Klägliche Reste blieben aber
bis ins 19. Jahrhundert erhalten.
Zu Läutezwecken
erhielt die Kirche noch im 15. Jahrhundert ihren dritten Glockenturm.
Er war wesentlich kleiner als der zweite Turm und
stand an der Südseite der Kirche oben auf der Warf. Dieser Turm wurde
mit 4 Schallöffnungen versehen, trug jedoch immer nur drei Glocken.
Die übermäßig groß angelegte vierte Schallöffnung
hat die Vermutung aufkommen lassen, dass die Dorfbewohner zur Zeit der
Erbauung des dritten Turm die Hoffnung hatten, sich die große Glocke
der Uttumer Kirche mit einem Durchmesser von 2 Metern und einer Höhe
von 1,50 Meter aneignen zu können. Wegen des schlechten Fundaments
war der Glockenturm jedoch bereits im Jahr 1770 baufällig und wurde
notdürftig repariert. 1854 mußte das Läuten eingestellt
werden und im Jahr 1858 wurde der Turm abgebrochen.
Bereits 1858
begann man mit der Planung eines neuen Turmes. Bis zu seiner Fertigstellung
im Jahr 1887 vergingen jedoch beinahe 3
Jahrzehnte. Mit
seiner Höhe von 42 Metern überragt der mächtige Glockenturm
die Gebäude des Ortes bis heute und ist schon von weitem sichtbar. |
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Die älteste noch vorhandene Glocke ist außen
an der Kirchturmspitze angebracht. Sie wurde 1356 gegossen und dient als
Schlagglocke. In der Glockenstube des Kirchturms hing im 19. Jahrhundert
eine Glocke, die vermutlich bereits ihren Dienst im ersten Glockenturm
versah. Sie wurde 1480 zum dritten, 1664 zum vierten und im 19. Jahrhundert
zum fünften Mal ein-geschmolzen und neu gegossen. Zur Zeit des ersten
Weltkrieges mußte sie abgeliefert werden. Sie kehrte jedoch nach dem
Krieg unversehrt zurück. Im zweiten Weltkrieg wurde sie erneut abgeliefert
und ist seither verschollen. Im Glockenturm hängen heute zwei Glocken:
eine aus der Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die zweite Glocke wurde
1957 neu angeschafft. |
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